Shopify Flow ist die kostenlose Automatisierungs-App von Shopify. Ein Workflow besteht aus drei Teilen: einem Auslöser (im Shop passiert etwas), Bedingungen (Prüfungen auf die Daten) und Aktionen (was Flow ausführt). Dieser Leitfaden zeigt zwölf Workflows, die wir für Händler einrichten, mit den Namen der Auslöser und Aktionen, wie sie in Flow erscheinen. Danach erklären wir die Grenzen je Tarif und wann ein Workflow stattdessen individuellen Code braucht.
Was Flow kann, und in welchem Tarif
- Tarife: Laut Shopify Help Center ist Flow eine kostenlose App, die in den Tarifen Basic, Grow, Advanced und Plus verfügbar ist.
- Send HTTP request: Diese Aktion, die ein externes System aufruft, steht in Grow, Advanced und Plus zur Verfügung.
- Aufgaben aus individuellen Partner-Apps: Nur Plus-Shops können Auslöser und Aktionen aus individuellen Partner-Apps nutzen.
- Limits: Die Nutzungslimits von Flow richten sich nach den API-Limits Ihres Tarifs.
Zwei Aktionen machen Flow von einem Tagging-Werkzeug zu etwas, das einer kleinen Integrationsplattform näherkommt:
- Send Admin API request führt die meisten Mutationen der GraphQL Admin API aus, für Änderungen, für die Flow keine fertige Aktion hat.
- Run code führt eine kurze JavaScript-Funktion aus, um Daten zwischen den Schritten zu berechnen oder umzuformen.
Bestellungen und Betrug
1. Bestellungen mit hohem Risiko zur Prüfung zurückhalten
- Auslöser: Order risk analyzed
- Bedingung: Die Risikostufe ist hoch
- Aktionen: Hold fulfillment order, Add order tags („review-risk“), Send internal email an die Person, die Bestellungen prüft
Nichts wird versendet, bevor jemand die Bestellung angesehen hat, und mit dem Tag lässt sich die Warteschlange leicht filtern.
2. Bestellungen nach Vertriebskanal oder Markt taggen
- Auslöser: Order created
- Bedingung: Der Vertriebskanal der Bestellung oder ihr Lieferland
- Aktion: Add order tags („wholesale“, „eu“, „pos“)
Die Tags fließen in Berichte, gespeicherte Ansichten im Admin und die Regeln, die Ihr Lager anwendet.
3. Große Bestellungen für eine persönliche Betreuung markieren
- Auslöser: Order paid
- Bedingung: Die Bestellsumme liegt über einem Schwellenwert, den Sie festlegen
- Aktionen: Add order tags („vip-order“), Send internal email an den Kundenservice
4. Bei einem bekannten Problemmuster stornieren und benachrichtigen
- Auslöser: Order created
- Bedingung: Ein Muster, das Sie schon kennen, zum Beispiel eine Lieferadresse, die auf einer Sperrliste in einem Shop-Metafeld steht
- Aktionen: Cancel order, Send internal email
Setzen Sie diesen Workflow vorsichtig ein, und beginnen Sie mit einem Zurückhalten statt einer Stornierung, bis Sie der Regel vertrauen.
Bestand
5. Ausverkaufte Produkte ausblenden
- Auslöser: Product variant out of stock
- Bedingung: Alle Varianten des Produkts sind nicht mehr vorrätig
- Aktion: Unpublish product, oder Add product tags („sold-out“), wenn Ihr Theme nach Tags filtert
6. Produkte wieder einblenden, wenn Bestand zurückkommt
- Auslöser: Product variant back in stock
- Aktion: Publish product, Remove product tags („sold-out“)
7. Den Einkauf warnen, bevor der Bestand ausgeht
- Auslöser: Product variant inventory quantity changed
- Bedingung: Die Menge ist unter Ihren Meldebestand gefallen
- Aktion: Send internal email an den Einkauf, mit Produkt, Variante und Menge in der Nachricht
Kunden
8. Kunden nach Gesamtumsatz taggen
- Auslöser: Order paid
- Bedingung: Der Gesamtumsatz des Kunden liegt über Ihrem Schwellenwert
- Aktion: Add customer tags („vip“)
Kunden-Tags können Segmente, Rabatte und E-Mail-Listen steuern.
9. Erstbestellungen nachfassen
- Auslöser: Order paid
- Bedingung: Es ist die erste Bestellung des Kunden
- Aktion: Add customer tags („first-order“), womit Ihre E-Mail-App eine Willkommensserie starten kann
10. Nach abgebrochenen Checkouts nachfassen
- Auslöser: Customer abandons checkout
- Bedingung: Der Warenkorbwert liegt über einem Schwellenwert, und der Kunde akzeptiert Marketing
- Aktion: Add customer tags („high-value-abandon“) für ein gezieltes Nachfassen
Shopify verschickt bereits eigene E-Mails zu abgebrochenen Checkouts. Nutzen Sie diesen Workflow deshalb für einen zweiten, persönlicheren Schritt, nicht für eine Dublette.
B2B und Betrieb
11. Neue B2B-Unternehmen jedes Mal gleich einrichten
- Auslöser: Company created
- Aktionen: Add catalog to company location, Update company location payment terms, Send B2B access email
Neue Großhandelskunden erhalten den richtigen Katalog und die richtigen Zahlungsbedingungen, ohne dass jemand an jeden Schritt denken muss.
12. Sich selbst eine tägliche Zusammenfassung schicken
- Auslöser: Scheduled time (jeden Morgen)
- Aktionen: Get order data für die gestrigen Bestellungen mit einem bestimmten Tag, dann Count, dann Send internal email mit der Anzahl
Die Get-data-Aktionen zusammen mit Count und Sum machen Flow zu einem einfachen Reporting-Werkzeug.
Wann ein Workflow etwas Code braucht
Run code übernimmt Daten aus vorherigen Schritten über eine GraphQL-Input-Query, führt eine JavaScript-Funktion aus und gibt Werte zurück, die spätere Schritte nutzen können. Zum Beispiel das Zählen der Einheiten eines Produkttyps in einer Bestellung:
```js
// Input-Query (im Feld „Input“ der Aktion):
// query { order { lineItems { quantity product { productType } } } }
//
// Output-Schema (im Feld „Output“):
// type Output { candleUnits: Int! }
export default function main(input) {
const candleUnits = input.order.lineItems
.filter((item) => item.product?.productType === "Candle")
.reduce((sum, item) => sum + item.quantity, 0);
return { candleUnits };
}
```
Eine Bedingung nach diesem Schritt kann dann prüfen, ob candleUnits über einem Grenzwert liegt, und einen Tag setzen oder die Bestellung zurückhalten.
Shopify dokumentiert die Grenzen: Der Code läuft höchstens 5 Sekunden mit 10 MB Arbeitsspeicher, er kann keine HTTP-Aufrufe machen und keine Module importieren, und der Code selbst darf bis zu 50.000 Zeichen lang sein.
Wann Flow nicht ausreicht
Flow deckt viel ab, ist aber nicht für alles das richtige Werkzeug:
- Zwei-Wege-Synchronisierung mit einem anderen System. Send HTTP request kann Daten nach außen senden, aber ein ERP, ein Lager oder ein CRM dauerhaft auf demselben Stand zu halten, erfordert Wiederholungsversuche, Fehlerbehandlung und Abgleich. Lesen Sie dazu unseren Leitfaden zur Shopify-ERP-Integration.
- Logik, die im Checkout läuft. Rabatte, Versandoptionen und Zahlungsregeln gehören in Shopify Functions, nicht in Flow.
- Aufwendige Berechnungen oder externe Daten. Run code hat keinen Netzwerkzugriff und ein Limit von 5 Sekunden.
- Oberflächen für Ihr Team. Flow hat keine Benutzeroberfläche für Mitarbeitende, eine eingebettete App schon.
In diesen Fällen erledigt eine kleine individuelle App die Aufgabe meist, oft zusammen mit Flow statt als Ersatz.
Tipps für zuverlässige Workflows
- Beginnen Sie mit einer Vorlage von Flow, wenn es eine gibt, und passen Sie sie dann an.
- Benennen Sie Workflows nach dem Ergebnis („Bestellungen mit hohem Risiko zurückhalten“), nicht nach dem Auslöser.
- Testen Sie in einem Entwicklungsshop oder mit einer Testbestellung, bevor Sie einen Workflow aktivieren.
- Fügen Sie die Aktion „Send Shopify alert for errors“ hinzu oder überwachen Sie den Auslöser „Workflow error occurred“, damit Fehler bei einer Person ankommen.
- Legen Sie Schwellenwerte und Listen in Shop-Metafeldern ab, damit Sie für eine Änderung nicht den Workflow bearbeiten müssen.
- Prüfen Sie Ihre Workflows nach jeder Shopify Edition. Neue Auslöser und Aktionen ersetzen oft einen Workaround.
Möchten Sie Ihren Shop automatisieren?
Wir richten Shopify-Flow-Workflows ein, schreiben die Run-code-Schritte und entwickeln individuelle Apps und Integrationen, wenn Flow an seine Grenzen stößt. Mehr dazu auf unseren Seiten zur Shopify-App-Entwicklung und zu Shopify-API-Integrationen, oder zur monatlichen Shopify-Wartung, wenn sich jemand um Ihre Workflows kümmern soll.


